Mar 16
Interview mit dem Macher von reasCMS
Ich habe Euch reasCMS vorgestellt, das neueste Kind von Marvice. Damit Ihr mehr ueber Markvice, reasCMS und den Kopf dahinter, Hans-Peter Protto wisst habe ich um ein kurzes Interview gebeten. Hans-Peter kenne ich noch aus meinem Forum (inzwischen zu diesem Blog mutiert)… das Du ist darum nicht ganz fehl am Platz.
Wie schon im vorangegangenen Interview mit Daniel Steffen von novinet sind auch hier meine Fragen und Anmerkungen kursiv verfasst.
Hallo Hanspeter, bitte stell Dich und Marvice meinen Lesern kurz vor
Ich heiße Hans-Peter Protto (Hans-Peter mit Bindestrich, auf den bestehe ich *g*), bin Anfang 40 und betreibe unter markvice.de eine kleine Internet Agentur. Meine Leidenschaft fuer’s Programmieren begann im Alter von etwa 14 Jahren und begleitet mich seitdem ununterbrochen. Ich war mehrere Jahre lang in der Anwendungsentwicklung taetig und bin mehr zufaellig nun bei den Webanwendungen gelandet. Vor 5 Jahren habe ich meine ersten Internetprojekte realisiert. Meines Erachtens nichts besonderes aber irgendetwas muss ich richtig gemacht haben. Zumindest kamen kurze Zeit spaeter die ersten Anfragen, ob ich auch Kundenauftraege annehmen wuerde. Das war die Geburtsstunde von Markvice.
Du / Ihr habt ein CMS entwickelt, obwohl es auf dem Markt bereits hunderte davon gibt. Darunter auch kostenlose wie WordPress oder Serendipity (S9Y). Warum noch ein CMS?
Man wacht in der Regel nicht morgens auf, weis nichts mit dem Tag anzufangen und setzt sich aus lauter Langeweile hin und programmiert ein CMS. Eigentlich war es anders geplant. Ich war lange Zeit auf der Suche nach einem Content-Management-System um sowohl die eigenen als auch Kundenauftraege realisieren zu koennen. Die Anforderungen waren relativ einfach. Das Einpflegen neuer Inhalte musste so einfach wie moeglich sein, schließlich macht es keinen Sinn einem Kunden erst zu einer 3taegigen Schulung zu schicken damit er in der Lage ist einen Text zu aendern oder ein Bild auszutauschen.
Das Design der Seite durfte keinen Einschraenkungen unterliegen d.h. das CMS musste mit Templates arbeiten und es musste eine konsequente Trennung zwischen Design und Funktionalitaet vorhanden sein.
Ein ebenfalls wichtiger Punkt war die Offenheit und Erweiterbarkeit des Systems. Die meisten Content-Management-Systeme beinhalten heutzutage ein Plugin-System. Dies gewaehrleistet aber nicht zwangsweise, dass das System beliebig angepasst werden kann. Meistens existieren doch erhebliche Grenzen und Huerden, die ueberwunden werden muessen. Und es macht einfach keinen Spass an einem Problem 2 Tage lang zu sitzen und danach eine weitere Woche dranzuhaengen um dem Kunden zu erklaeren wie der Betrag auf der Rechnung zustande kommt.
Der letzte Punkt auf meiner Wunschliste war ein Minimum an Suchmaschinentauglichkeit. Meiner Erfahrung nach schneiden Open-Source-Projekte in diesem Punkt uebrigens prinzipiell relativ gut ab. Wenn man allerdings kostenpflichtige CM-Systeme unter die Lupe nimmt so zeichnet sich die Tendenz ab das mit zunehmendem Preis das Grundlagenwissen der Entwickler was Suchmaschinenoptimierung anbelangt im gleichen Maße sinkt – so zumindest meine Erfahrung.
Mit dieser Wunschliste im Hinterkopf machte ich mich damals auf die Suche. Es gibt etliche gute und sehr gute Content-Management-Systeme sowohl im Open-Source-Bereich als auch im unteren Preissegment. Es gab einige, die in die engere Wahl fielen aber es war keines dabei, das mich zu mittelhohen Luftspruengen mit pausenlosem Juhu-Geschrei animiert haette. Also stellte sich die Frage: Weitersuchen, mit Kompromissen leben oder die Sache selbst in die Hand nehmen. Ich warte und suche nicht gern und ich mag keine Kompromisse.
reasCMS war uebrigens urspruenglich gar nicht als vollumfaengliches Content-Management-System geplant. Es sollte nur eine Plattform sein, welches einfache Grundfunktionen zur Verfuegung stellt, beliebig konfigurierbar ist und es gestattete, Kundenprojekte einfach, schnell und effektiv umzusetzen.
Der Name faellt nicht leicht von der Lippe, reasCMS, wie seid Ihr darauf gekommen?
Das Kind brauchte irgendwann einmal einen Namen. Beim Kreieren von Namen benutze ich gerne Abkuerzungen, Wortkombinationen oder Wortassoziationen. Seltsamerweise gibt es viele, die mit dem, was sich in meinem Koepfchen so assoziiert, ein leichtes Problem haben. So findet man in meinem Domain-Portfolio etliche Domainnamen bei denen ich wahrscheinlich der einzige auf der Welt bin der sie unfallfrei und ohne mein Gegenueber anzuspucken, aussprechen kann. Ein harmloses Beispiel ist Markvice. Der Name setzt sich schlicht aus Marketing & Service zusammen.
Was sind bzw. sollten die hervorstechensten Eigenschaften des noch namenlosen Content-Management-Systems sein? Es sollte einfach und schlicht in der Bedienung sein, es sollte einfach in der Anpassung sein und es sollte einfach in der Erweiterbarkeit sein. „Einfach und schlicht“ waren die Schluesselworte. Mehr noch: es sollte ein wirklich einfach und schlichtes Content-Management-System werden. Und das waere auch schon der Name: really easy and simple Content Management System oder kurz: reasCMS.
Ich habe reasCMS in meinem Beitrag vom Montag als Bastard (im positiven Sinne) betitelt. In der Tat scheint sich das CMS Faehigkeiten von Blogs, Webkatalogen, Artikelverzeichnissen und Newsportalen unter den Nagel gerissen zu haben ohne den urspruenglichen Sinn zu vergessen. Sind das nicht ein bisschen viele Moeglichkeiten und ueberfordert Ihr da neue Nutzer nicht?
reasCMS besteht im wesentlichen aus drei Bereichen. Auf der einen Seite haben wir das eigentliche Content-Management-System im klassischen Sinne d.h. der reinen Verwaltung der Inhalte sprich Kategorien, Seiten, Artikel, News, etc. Auf der anderen Seite existiert das Layout, welches all diese Elemente darstellt und dazwischen befindet sich die Konfiguration. Die Konfiguration teilt dem CMS u.a. mit, wie die Elemente miteinander in Beziehung stehen. Dort werden alle Einstellungen vorgenommen die man i.d.R. nur einmalig macht oder die in direkter Beziehung zum Layout stehen. Dadurch wird der Admin-Bereich, also der Bereich in dem die eigentlichen Inhalte verwaltet werden, deutlich entschlackt. Vieles, was reasCMS an Moeglichkeiten bietet, aber im konkreten Anwendungsfall nicht benoetigt wird, wird durch die Konfiguration einfach ausgeblendet.
Die bisherigen Reaktionen zeigen, das auch Personen, die in der Vergangenheit eher wenig Beruehrungspunkte mit Content-Management-Systemen hatten, auch ohne Blick in das Handbuch problemlos mit dem Admin-Bereich zurecht kommen. Alle Bereiche wie News, Artikel oder Linkeintraege sind vollkommen einheitlich aufgebaut so dass man sich ziemlich schnell zurecht findet. Alles, was der Anwender aktuell nicht braucht, wird, wie oben erwaehnt, ausgeblendet. Dies war eines der Grundgedanken bei der Konzeption von reasCMS.
Die ersten Stolpersteine treten i.d.R. erst auf wenn sich der Anwender in den Bereich der Konfiguration hineinwagt. reasCMS wird derzeit mit einer Standardkonfiguration ausgeliefert. In naher Zukunft wird reasCMS auch spezielle Konfigurationen beinhalten um den typischen Blog oder den typischen Webkatalog abzubilden. Dies wird die erwaehnten Stolpersteine zwar nicht restlos entfernen koennen, aber zumindest werden sie kleiner ausfallen.
Benutzer eines CMS sind ja meistens eher Menschen, die nicht soooo gut mit Quellcode und CSS umgehen koennen. Wie schwierig ist es, fuer das CMS ein neues Template zu machen und das Frontend so zu gestalten, dass reasCMS als solches nicht mehr erkennbar ist?
Das Baukastenprinzip zieht sich bei reasCMS durch alle Bereiche und somit auch durch die Templates d.h. es ist i.d.R. gar nicht notwendig ein komplett eigenstaendiges Template zu erstellen. Wie funktioniert das? Das Standardlayout enthaelt eine Reihe von Platzhaltern. An diesen Platzhaltern koennen vordefinierte Bausteine (wie z.B. die Sidebar) eingefuegt werden. Je nachdem, welchen Platzhalter man verwendet erscheint die Sidebar damit am linken Rand, am rechten Rand, rechts unterhalb des Titels u.s.w.. Die Sidebar existiert sogar zweimal. Platziert man einen an den linken Rand und einen an den rechten Rand ist das 3-Spalten-Layout fertig.
Die Sidebar, als Beispiel, besteht wiederum aus drei Platzhaltern in denen man beliebig viele andere Bausteine einsetzen kann. Z.B. ein Suchformular, ein Kontaktformular, ein Kalender, Hinweis zum RSS-Feed, Navigationsleiste, Banner, Linkeintraege u.s.w.
Die Wahl des Platzhalters bestimmt auch, auf welchen Seiten der Baustein angezeigt werden soll d.h. es ist z.B. problemlos moeglich bestimmte Elemente der Sidebar nur auf der Startseite anzuzeigen.
Das Prinzip der Platzhalter ist nicht auf die Sidebar beschraenkt sondern zieht sich durch das gesamte Layout. Es gibt kaum eine Stelle im Layout, welches nicht ueber einen Platzhalter erreicht werden kann.
Das Erstellen eines neuen Layouts reduziert sich damit weitestgehend auf das Zusammensetzen der verfuegbaren Bausteine. Html-Kenntnisse sind zwar nuetzlich – insbesondere wenn man eigene Bausteine erstellen moechte – aber nicht zwingend notwendig.
Um Farben und Formatierungen zu aendern fuehrt kein Weg an CSS vorbei. Aber um einen Farbwert zu aendern muss man ja nicht unbedingt gleich CSS-Profi sein
Habt Ihr ein Supportforum? Wie geht Ihr mit Anfragen zum Support um?
Der Support laeuft derzeit ueber E-Mail und Telefon. Das Support-Forum ist bereits eingerichtet aber derzeit noch nicht oeffentlich zugaenglich. Dies wird sich aber vermutlich in den naechsten Wochen aendern.
Was kostet das CMS und wie wollt Ihr Euch im Markt gegenueber etablierten Systemen wie zum Beispiel WordPress behaupten?
Wordpress und Serendipity sind Blog-Systeme, easyLink ist ein Webkatalog, Joomla ist ein Content-Management-System und reasCMS ist, wie du so treffend formuliert hast, ein – hoffentlich sympathischer – Bastard. reasCMS ist das, was der Betreiber daraus macht und damit fuer Webmaster interessant, die die einfache Administration von spezialisierter Software (Blog, Webkatalog, etc.) schaetzen und damit aber Projekte realisieren, die sich eben nicht in ein Genre pressen lassen wollen.
reasCMS wird in unserem Online-Shop fuer € 119.- angeboten. Darin enthalten ist der kostenlose Support und alle Updates und Erweiterungen der kommenden 12 Monate.
Gibt es ein Partnerprogramm um das CMS und andere Produkte aus Eurem Haus zu promoten?
Ein Partnerprogramm existiert derzeit nicht und ist auch erst einmal nicht vorgesehen.
Was ist noch in Eurer Produktpipeline, auf das wir uns freuen duerfen?
Der Schwerpunkt der naechsten Monate wird eindeutig in der Weiterentwicklung von reasCMS liegen. Bereits das naechste Update, welches schon fertig in der Schublade liegt und nur noch den Funktionstest ueberstehen muss, wird die Featureliste um einen weiteren wesentliches Punkt erweitern: Multi-Language-Support d.h. es wird in Kuerze moeglich sein mit reasCMS mehrsprachige Projekte zu realisieren.
Was die Zukunft bringt, verrate ich noch nicht. Es gibt bereits einige Ideen, die aber noch etwas reifen muessen…
Besten Dank fuer das Interview und viel Erfolg mit dem CMS!
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Ich werde in den naechsten Tagen / Wochen reasCMS online testen. Sprich die ganze Installation durchgehen und die ersten Schritte mit dem CMS machen. Selbstverstaendlich halte ich Euch auf dem laufenden
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